Alternative Risikoprämien: Quo Vadis?

Oktober 2018

bfinance insight from:


Dr Toby Goodworth
Managing Director, Head of Risk & Diversifying Strategies


Chris Stevens
Director, Diversifying Strategies


Das Anlagesegment ARP (Alternative Risk Premia) ist in den letzten fünf Jahren rasant gewachsen; sowohl in Bezug auf das verwaltete Vermögen als auch in Bezug auf die Anzahl der Anbieter. Hauptmotivation aus Anlegersicht ist sowohl die Diversifizierung gegenüber den Aktienmärkten als auch die Attraktivität einer liquiden, systematischen und kostengünstigen Alternative zu Hedgefonds.

In jüngerer Zeit haben sich neben dem „klassischen akademischen“ Ansatz auch „praxisorientierte“ Ansätze entwickelt. So sehen wir vermehrt Angebote, die in Richtung Makro-Strategien gehen und durch aktives Timing der Risikoprämien zusätzliche Erträge erwirtschaften.

Die Nachfrage für diese Anlagestrategie stammt sowohl von Investoren, die bisher keine Hedgefonds eingesetzt haben, als auch von solchen, die Diversifikation zu geringeren Kosten suchen. Da ARP sich eher über die zugrunde liegende Anlagephilosophie als durch eine explizite Strategie definiert, ist die Vergleichsgruppe breit gefächert und folglich sehen wir eine große Performance-Streuung innerhalb des Anbieter-Universums. Obgleich die starke Dispersion zu einem großen Teil auf die Auswahl und Gewichtung der Risikoprämien selbst zurückzuführen ist, spielen die Definitionen der Prämien und deren Implementierung ebenfalls wichtige Rollen.


Source: bfinance

Im Durchschnitt erzielten ARP Strategien in den letzten sechs Jahren erfreulich positive Erträge; das Jahr 2018 hingegen erweist sich als Herausforderung. Auf kumulierter Basis haben ARP Manager in 2018 nach Gebühren 4% verloren (Stand Ende September). Unabhängig von der jeweiligen Definition und Implementierung, erwirtschaftete die Risikoprämien „Value“ im Jahre 2018 eine deutliche Underperformance. Mehrere Studien belegen indes, dass vergleichbare Value-Drawdowns nicht von langer Dauer sind und zeitnah eine stark ausgeprägte Mean-Reversion zu erwarten ist. Es gibt hierfür selbstverständlich keine Garantie und dennoch ist dies auf Basis der Historie eine plausible Erwartung. Um die Risiken einzelner Faktoren zu begrenzen, setzen ARP-Strategien auf Diversifikation; sprich auf unterschiedliche Risikoprämien, die sich durch Ihre Prämienart und den Anlageklassen-Bezug strukturell voneinander unterscheiden. Aus diesem Grund waren die generellen Verluste in ARP-Strategien im Vergleich zum Value-Drawdown entsprechend moderat. Die Schwäche in den Trendfolge-Signalen hat in vielen Fällen die Underperformance verstärkt; einen positiven Beitrag leisteten hingegen Carry-Strategien und Cross-Sectional Momentum.


Source: bfinance

Im Vertrauen auf die zugrunde liegende ökonomische und empirische Theorie, lässt die Anbieterseite keinen Zweifel an der langfristigen Attraktivität dieser Anlagestrategie und auch die Investoren halten bis dato an Ihrem Commitment fest. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass Transparenz in der Kommunikation und eine breitere Diversifizierung der ARP Ansätze aus Sicht der Investoren deutlich an Bedeutung gewonnen haben.

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