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Die europäischen Treasurer sind gegen die geplante Reform des Derivatemarktes Drucken E-Mail
29.01.2010

Die Treasurer der groβen europäischen Konzerne sind mit den Vorschlägen der Europäischen Kommission zur Regulierung der Märkte für Derivate nicht einverstanden. Sie sind besorgt wegen der Konsequenzen, die die höheren Eigenkapitalanforderungen für auβerbörslich gehandelte Derivate auf ihre Risikoabsicherungspolitik haben können. In einem Brief an die europäischen Kommissare, der von mehr als 160 Corporates unterzeichnet ist, darunter Konzerne wie Air France, Arcelor Mittal, Daimler oder EDF, ersucht die Europäische Vereinigung der Corporate-Treasurer (EACT) den Reformentwurf  zu ändern und Nichtfinanzunternehmen von den geplanten Regelungen auszunehmen. In den USA sieht die derzeit zur Diskussion stehende Reform, die weitgehend von  denselben Grundlagen wie in Europa ausgeht, Ausnahmeregelungen für bestimmte Unternehmen wie Fluggesellschaften und Energieproduzenten vor.


Die Krise hat das Ausmaβ der konzentrierten systemischen Risiken auf den Derivatemärkten, die hohe Leverage-Niveaus zulassen und insofern undurchsichtig sind, als die meisten Geschäfte im Freiverkehr abgeschlossen werden, verdeutlicht.  Die Europäische Kommission, die bei ihren Überlegungen von den Ergebnissen des G20 ausgeht, beabsichtigt, die Stabilität und die Transparenz durch eine stärkere Zentralisierung der Abwicklung der Geschäfte auf den Derivatemärkten zu erhöhen. Mit der Ausarbeitung der Gesetzesvorlagen, die auch eine Impact-Analyse vorsieht, wurde mittlerweile begonnen. Ziel ist es, bis Mitte 2010 einen Entwurf für eine gesetzliche Regelung der Abwicklung durch eine zentrale Gegenpartei vorzulegen. Brüssel beabsichtigt darüber hinaus eine Änderung der Eigenkapitalrichtlinie bis Ende 2010, um die Finanzunternehmen zu einer Anfangs- und einer Nachschussmarge auf Geschäfte mit Derivaten zu verpflichten und bei den Eigenkapitalanforderungen deutlich zu unterscheiden, ob die Kontrakte multilateral oder nicht abgewickelt werden.

 
«Wir sind sehr besorgt wegen der Reformvorschläge für den OTC-Derivatemarkt, die derzeit zur Diskussion stehen, da sie zahlreiche Endverbraucher, die diese Kontrakte zur Absicherung ihrer Handelsgeschäfte einsetzen, benachteiligen können», erklärt nachdrücklich EACT. Für die europäischen Treasurer birgt die obligatorische Kollateralisierung der Kontrakte das Risiko, dass Eigenmittel eingesetzt werden müssen, die bisher für die Entwicklung des Unternehmens verwendet wurden. „Die starken Schwankungen des Euro-Dollarkurses in den letzten fünf Jahren zeigen, dass Einschussforderungen auf langfristige Terminkontrakte relativ hoch sein können. So könnten beispielsweise Industriekonzerne, die ihre künftigen Einnahmen normalerweise durch langfristige Kontrakte absichern, die Absicherung ihres Währungsrisikos einschränken. Die zugrunde liegenden Positionen könnten daher kurzfristig nicht abgesichert sein, es sei denn, man findet sich damit ab, im Falle einer ungünstigen Entwicklung des Absicherungskontraktes verfügbare Bargeldbestände einzusetzen oder bestätigte Kreditlinien in Anspruch zu nehmen. Letztendlich können die Maβnahmen, die vorwiegend dazu bestimmt sind, das Funktionieren von CDS und einiger Finanzinstrumente zu regulieren, die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit beeinträchtigen, da alle OTC-Finanzinstrumente und alle Nichtfinanzunternehmen, die ihre Risiken absichern, betroffen wären“, gibt François Masquelier, Ehrenpräsident der EACT und Leiter der Treasury-Abteilung der RTL Group, zu bedenken.

Die Treasurer legen den verantwortlichen EU-Stellen nahe, die nachteiligen Auswirkungen der geplanten Regulierung bei ihrer Impact-Studie zu berücksichtigen. Richard Raeburn, Präsident der EACT, vertritt die Auffassung, dass die Europäische Kommission „zur Aufnahme einer konstruktiven Diskussion mit EACT und den betroffenen Unternehmen bereit ist, um unsere Bedenken besser zu verstehen“.

 

 

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