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Für zahlreiche internationale Konzerne scheinen die USA eine von lokalen Treasury-Teams relativ gut gemanagte Zone zu sein. Gleichwohl birgt dieser sehr spezielle Markt Fallstricke.
von Anne Vosgien, Cash Management Consultant, bfinance In einer Zeit der schrittweisen Einführung von Sepa kann man nur mit Verwunderung die Unterschiede im Cash Management in den europäischen Ländern und bei mehreren konzeptuellen Ansätzen (Fakturierung, Wertstellung, Interbankengebühren, etc.) feststellen. Der Treasurer eines internationalen Konzerns kann sich über die Unterschiede zwischen dem Cash Management im Vereinigten Königreich und in Italien, um nur zwei Extremfälle zu nennen, Fragen stellen, obwohl diese Unterschiede geringfügig im Vergleich zu den USA sind. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist das Cash Management komplexer bzw. beruht auf anderen Konzepten, die für Europäer schwierig sind zu übernehmen, aber eine nähere Betrachtung verdienen.
Ein stark fragmentierter Bankenmarkt
Der erste unterscheidende Faktor ist der Bankenmarkt, der stark fragmentiert ist: Keine der 7000 Geschäftsbanken verfügt über ein Zweigstellennetz in allen fünfzig Staaten des Landes. Angesichts des immens groβen Gebietes, dem Bedarf, Filialen in nächster Nähe zu haben, und der groβen Zahl an Banken, die meist von lokaler Bedeutung, aber nicht sehr groβ sind, ist es für einen geographisch im Land weit verzweigten Konzern schwierig, die Zusammenarbeit im Bereich des Cash Managements auf nur wenige strategische Partner zu beschränken.
Die Transparenz ist angesichts der Vielzahl an Bankpartnern relativ gering. Auch die Fakturierungsmodelle und die Arten an Dienstleistungen sind von einer Bank zur anderen nur schwer vergleichbar. Nach dieser Feststellung einer starken Disparität könnte man sich seitens der amerikanischen Treasurer mehr Vorsicht vorstellen. Es herrscht Vertrauen
Es ist erstaunlich, dass für zahlreiche europäische Konzerne mit Niederlassungen in den USA das Cash Management bei der Holding keine besondere Aufmerksamkeit erweckt. Der Konzern-Treasurer ist in der Regel bereits mit exotischen und komplizierten Ländern wie China, Brasilien, Russland schwer beschäftigt... und die USA scheinen - zumindest aus der Ferne - durch lokale Teams gut gemanagt zu sein.
Dieser Eindruck eines guten Managements erklärt sich wahrscheinlich durch ein Funktionsschema, an das wir nicht gewohnt sind: das Vertrauen. Man hört oft das Argument: „Wenn mir meine Bank Kosten oder Dienstleistungen verrechnet, bedeutet das zwangsläufig, dass es meinen Bedürfnissen entspricht oder dass mir der Service nützlich ist“. Die systematische Infragestellung, so wie wir es aus Europa kennen, ist in den USA nicht üblich. Aus gutem Grund. Die Banken haben bewusst ein System eingerichtet, das sehr schwer zu kontrollieren ist, auch wenn Sammelrechnungen weiter verbreitet sind als bei uns. Eine schwer kontrollierbare Rechnungsstellung
Zunächst wird jede Dienstleistung und jeder Rechnungsposten von den einzelnen Banken unterschiedlich bezeichnet, was einen Vergleich der Bankpartner nicht erleichtert. Darüber hinaus werden die einzelnen Posten aufgeschlüsselt: So können beispielsweise Schecks Gegenstand von ungefähr zehn verschiedenen Fakturierungen sein (Scheck, Fotokopie, Setkey usw.), was dazu führt, dass selbst kleine Rechnungen bis zu zehn Seiten lang und nicht unbedingt verständlich sind. Es gehört daher zum guten Ton, den lokalen Treasurern keine Vorwürfe zu machen, dass sie die Bankgebühren nicht kontrollieren. Jedesmal, wenn wir Gelegenheit hatten, derartige Rechnungen näher zu prüfen (Analysis Account Statements), fanden wir Dienstleistungen, die abgerechnet aber nicht beansprucht worden sind, Möglichkeiten einer Optimierung und vor allem eine potenzielle Rationalisierung des Fakturierungsschemas, um es vergleichbarer und verständlicher zu gestalten. Danach liegt die ganze Kunst darin herauszufinden, welche Zielnomenklatur für die Fakturierung verwendet werden soll, damit sie den Auflagen des amerikanischen Marktes entspricht (es wäre fehl am Platz zu versuchen, unser europäisches Schema einzuführen).
Erste Versuche einer Standardisierung sind bereits erkennbar. Insbesondere die AFP (Association for Financial Professionals, der sowohl Treasurer wie auch Banken angehören) hat eine Kodifizierung (AFP Codes) in Form einer Liste aufgestellt, die alle offiziellen Möglichkeiten erfasst, die die Banken zur Fakturierung von Zahlungsströmen haben. Diese Liste ist in mehrere groβe Kategorien unterteilt (Lockbox, Cash, ACH, Wires,…) und für die Mitglieder der Vereinigung für eine geringe Gebühr zugänglich. Das vorrangige Interesse dabei ist, über eine Nomenklatur für die diversen Dienstleistungen in Verbindung mit dem Cash Management zu verfügen und für jede Art der Fakturierung einen einheitlichen Code zu benutzen. Diese gute Absicht hat allerdings Grenzen: Nicht alle Banken sind bereit, sich auf die AFP Codes in ihren Rechnungen umzustellen (sie verwenden ihre eigenen internen Codes) oder verwenden sie sogar wider besseres Wissen (falsche Codes). Vorwiegend werden Schecks verwendet
Es ist festzustellen, dass der Mangel an Transparenz bei Dienstleistungen oder Papierzahlungsmitteln besonders groβ ist. Auf dem amerikanischen Markt werden zum Zahlungsverkehr noch vorwiegend Schecks benutzt, obwohl die Verwendung dieses Zahlungsmittels an Bedeutung verliert. Bestimmte Bevölkerungsgruppen wollen keine beleglosen Zahlungsmittel verwenden, so dass weiterhin vorwiegend Schecks benutzt werden. Das wesentliche Problem der Unternehmen ist die Optimierung der Scheckbearbeitung, insbesondere die berühmte lockbox, die man mit unseren Bearbeitungsservices vergleichen kann, abgesehen davon, dass die Lockbox-Services in den USA den lokalen Banken gehören. Die groβen Banken bieten Netzwerke in zehn oder fünfzehn verschiedenen Städten für derartige Werkstätten für die Scheckbearbeitung an. Dabei geht es um eine optimale Verteilung zwischen der Zahl der Lockbox-Services (es muss auf die Fixkosten geachtet werden!) und deren geographische Positionierung. Denn eine günstige Kombination der Lockbox-Services mit den geographischen Standorten der Kunden ermöglicht es, die Versandfristen, die Bearbeitungsfristen und sogar die Gebühren zu optimieren. Die Dinge sind insoweit relativ kompliziert, als die Preise und die Fristen, bis das Geld verfügbar ist, je nach der eingesetzten Clearing-Methode unterschiedlich sind (dieselbe Bank, lokale, regionale, bundesstaatliche Clearinghäuse, etc.). Obwohl mit Check 21 (Check Clearing for the 21st Century Act) seit 2004 eine beleglose Abwicklung der Scheckzahlungen möglich ist (die Banken müssen die Schecks nicht mehr physisch austauschen, sondern es genügt ihre elektronische Ablichtung), bleibt die Bearbeitung äuβerst komplex. Eine andere Einstellung gegenüber dem Float
Der Mangel an Transparenz ist für alle Märkte kennzeichnend, die unter dem Gesichtspunkt des Cash Managements nicht ausgereift sind. Wir können dies in einigen europäischen Ländern feststellen: der Float, die Umsatzprovision, die Undurchsichtigkeit der Interbank-Gebühren… Man könnte sagen, der amerikanische Cash-Management-Markt gehört ebenfalls zu dieser Kategorie der nicht ausgereiften Länder, aber die Undurchsichtigkeit ist eher auf die Fakturierungsarten und eine mangelnde Vergleichbarkeit als auf den Float zurückzuführen. Trotz erheblicher Unterschiede bei der Wertstellung (wegen der groβen Zahl an Clearinghäusern und dem immens groβen Gebiet) ist der Begriff Float anders als in Europa zu verstehen.
Zunächst handelt es sich mehr um einen zeitlichen Begriff als einem Verdienstausfall. In den USA unterscheidet man unter mehreren Arten von Float (availability float, mail float, processing float…), ohne deshalb zu unterstellen, dass die Bank von den Geldbeträgen des Unternehmens länger profitiert, als sie sollte. Anders als bei uns ist der Begriff der Wertstellung kein Verhandlungspunkt für den amerikanischen Treasurer, weil es hinfällig wäre zu versuchen, eine transparente Wertstellung durchzusetzen. Das Prinzip des Float, so wie wir es kennen, existiert ganz einfach nicht. Hingegen ist der Begriff Frist sehr wichtig, beispielsweise beim Inkasso eines Schecks die Frist zwischen dem Versand des Schecks per Post durch den Kunden und dem Eingang des Schecks in der Lockbox oder beim Kunden (mail float). Die Zahlung kann sodann ein oder mehrere Tage dauern, je nachdem auf welche Bank der Scheck gezogen ist, an welchem Ort der Scheck eingereicht wird, wie hoch der Betrag ist und wie abgerechnet wird. Diese Faktoren wirken sich auch auf den Preis aus. In den Vereinigten Staaten hängen sehr oft die Gebühren davon ab (ohne Berücksichtigung der Bearbeitungszeit), ob der Scheck durch ein Lockbox-Service, einen in-house Scanner (remote capture) oder durch eine lokale Filiale bearbeitet wird und ob er sodann über ein lokales, regionales, bundesstaatliches Clearinghaus oder ein bankeigenes Clearinghaus abgerechnet wird. Eine Optimierung wird angestrebt
Es ist klar, dass eine Optimierung des amerikanischen Cash-Management-Marktes in zahlreichen Bereichen möglich wäre. Für einen Konzern, dessen zentraler Treasury-Ressort in Europa ist, kann es schwierig sein, die kulturellen Unterschiede zu verstehen, die dazu beitragen, dass die Bereiche, wo eine Optimierung möglich wäre, nicht unbedingt die gleichen wie bei uns sind. Die Schwierigkeit liegt insbesondere darin, dass die Angebote der Banken nicht transparent und untereinander nicht vergleichbar sind. Die geographischen Rahmenbedingungen verstärken noch diesen Umstand. Es ist klar, dass die Vereinigten Staaten nicht zu den exotischen Ländern gehören, auf die sich die Aufmerksamkeit der Treasurer wegen komplexer Steuervorschriften und Gesetze konzentriert. Man sollte sie aber nicht zu schnell der Kategorie jener Länder zuweisen, die einfach zu verwalten sind. Dieser Markt setzt „lediglich“ gute Kenntnisse der lokalen Verhältnisse voraus und einen gewissen Abstand von den lokalen Teams, um die für eine Optimierung geeigneten Bereiche zu ermitteln |