| Nicht möglich! Eine neuartige Bank, die sich nur der Finanzierung von Corporates widmet, soll demnächst entstehen |
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| 27.11.2009 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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CFA, Corporate Funding Association, lautet ihr Code-Name. Für diese neu entstehende Bank, deren allgemeines Konzept von der französischen Bankenaufsicht, der Commission bancaire, bereits geprüft wurde, soll der Zulassungsantrag Ende 2010 eingereicht werden. Es handelt sich dabei um eine Finanzierungsgenossenschaft für Corporates der Kategorie Investment Grade, gleich welcher geographischer Herkunft. Die Idee entstand mitten in der Krise, als die Kreditklemme ihren Höhepunkt erreichte und die Margen und Provisionen der Banken für Transaktionen anstiegen. Das Projekt wurde von drei französischen (reuigen?) Bankern konzipiert, Philippe Roca und Arnaud Chambriard (beide zuletzt bei Ex-Natixis tätig) sowie Hugues Delafon (zuletzt Bond-Originator bei der Ex-Dresdner-Bank) mit der Unterstützung von Sylvain de Forges, am Finanzplatz Paris gut bekannt, Direktor der Agence France Trésor von 2000 bis 2003, heute bei der Gruppe Veolia tätig.
Das Basisschema ist aus technischer Sicht einfach. Ein Investment-Grade-Unternehmen bringt Eigenkapital in die CFA-Bank ein, der dem regulatorischen Betrag entspricht, der mobilisiert wird, wenn das Unternehmen seine bestätigte Kreditlinie voll abruft, wobei diese Linie mindestens halb so hoch ist wie das maximale Kreditvolumen, das ein Unternehmen bei CFA einrichten will. Die Höhe des Eigenkapitals wird wie üblich nach den Basel-II-Regeln bestimmt, d.h. in Abhängigkeit vom Rating und den Hebeln. Zum Beispiel, am Ende der Anlaufperiode und wenn das interne Rating-Modell genehmigt ist, muss ein BBB mindestens 55,6 Millionen bei einer bestätigten Kreditlinie von einer Milliarde einbringen (Hebel 18), für ein A- wäre der Beitrag 29,4 Millionen (Hebel 34). Das Unternehmen kann sodann entscheiden, ob es den Kredit abrufen will oder nicht. Vertraglich besteht auch die Verpflichtung für ein Unternehmen, in Abhängigkeit vom Rating entweder die Höhe der bestätigten Kreditlinie oder die Höhe des Eigenkapital-Beitrags anzupassen (wie bei einem klassischen Einschuss-System). Damit das Ganze funktionieren kann, müssen mindestens 20% vom vertraglichen Höchstvolumen abgerufen werden.
Einschusszahlungen, die sich lediglich nach der Bonität richten
In dieser Hinsicht sind originelle und innovative Lösungen zu erwarten. Zunächst werden bereitgestellte Bankkreditlinien eine Laufzeit von 5 bis 10 Jahren haben und können über eine Milliarde Euro ausmachen, sobald genügend Corporates beteiligt sind, um die Auswirkungen der für die Begrenzung von Risikokonzentrationen der Gegenpartei geltenden Vorschriften abzuschwächen (10% vom regulatorischen Eigenkapital). Insbesondere wird der Einschuss eines jeden Kreditnehmers/Aktionärs vierteljährlich in Abhängigkeit von der Restlaufzeit seiner Kreditlinie, seinem Rating und der Entwicklung der Credit-Spreads, die bei eventuell branchenspezifisch zusammengestellten und als Referenz dienenden Schuldverschreibungskörben mit vergleichbaren Einstufungen und Laufzeiten festgestellt.Letztlich wird dem Schuldner lediglich der Spread (selbstverständlich über dem Euribor) „verrechnet“: Denn einerseits fallen „Upfront“-Provisionen für die Bereitstellung oder Syndizierungsprovisionen weg; lediglich bei Nichtinanspruchnahme wird eine Provision in Höhe von 35% der Einschusszahlung für den Anteil der bestätigten Kreditlinie (die durch das vom Unternehmen eingebrachte Eigenkapital gedeckt ist) in Rechnung gestellt. Auf dem Markt für syndizierte Kredite kann die Rechnung ohne Weiteres 100 Basispunkte erreichen.
Andererseits wird der Nettoertrag nach Abzug der Risikokosten unter den Mitgliedern verteilt, womit die Nettofinanzierungskosten ebenfalls reduziert werden, umso mehr als die Kosten für die Struktur der CFA-Bank gering sein werden und eine Geschäftsaufwand-Ratio von weniger als 8 % erwartet wird. „Das bedeutet für den Fall, dass die Spreads auf dem Markt mittelfristig rasant ansteigen sollten, die CFA-Mitglieder in der Tat einen "übertrieben hohen Preis" zahlen müssen - aber diese "übertriebene aber legitime Vorsicht wird an sie in Form von Dividenden zurückgezahlt, sobald wieder Ruhe einkehrt - und nicht an andere verteilt“ erläutert Philippe Roca.
Das Projekt wird erst abgeschlossen sein, wenn die Satzung, die Governance und die Regelungen des Beitrittsvertrages von den Gründungsmitgliedern, d.h. mindestens dreiβig Corporates, genehmigt und alle technischen Details geklärt sind. Eine Reihe von Fragen wird derzeit mit den Regulierern geklärt. « Wir haben selbstverständlich das Projekt der Banque de France vorgelegt; ihre ersten Reaktionen, die natürlich nicht sehr positiv waren, waren für uns sehr nützlich: Wir müssen unser Projekt noch weiter verfeinern. Wir bemühen uns selbstverständlich darum » erklären Philippe Roca und Sylvain de Forges.
Aus aufsichtsrechtlicher Sicht ist die Funktionsweise von CFA insofern nicht komplex, als ihre einzige Tätigkeit das Kreditgeschäft ist. Es ist klar, dass CFA zunächst die Standardmethode nach Basel II anwenden wird. Jeder Schuldner muss daher mindestens eine Note von einer der 3 wichtigsten Agenturen erlangt haben, die auf Wunsch geheim gehalten werden kann. Nach 3 bis 5 Jahren wird CFA die Umstellung auf den Foundation-IRB-Ansatz vorschlagen, der bei einem gleich hohen Beitrag einem Mitglied den Vorteil bietet, dass die ihm zugesagte Kreditlinie erhöht wird.
Harter Kern
Das Projekt befindet sich heute in einer relativ fortgeschrittenen Konzeptphase. Der nächste Schritt ist die Bildung einer ersten Gruppe von mindestens fünfzehn potentiellen Corporate-Gründungsmitgliedern, die mit einem Beitrag von rund 15 000 Euro pro Corporate eine aktive Rolle bei der Ausarbeitung der Satzung dieser Struktur haben können: technische Strukturierung, Einstellung von Mitarbeitern und vor allem die Governance-Regeln der künftigen Bank und ihrer Muttergesellschaft, eine Holding, die 100% der Bank hält und deren Aktionäre ausschlieβlich die teilnehmenden Corporates sind. In diesem Stadium soll die Bewertung der Credit Note beantragt werden, die eine derartige Struktur von einer der groβen Ratingagenturen erhalten kann.
In einer weiteren Phase soll anderen Corporates vorgeschlagen werden, sich an der endgültigen Ausarbeitung des Projekts und an der Projektumsetzung zu beteiligen, insbesondere an der Gründung der Gesellschaft, die den Antrag auf Erteilung der Bank-Lizenz einreichen wird. Ein Budget von insgesamt rund 1 Million Euro ist für die Bearbeitung der rechtlichen Fragen, die Suche und die Auswahl von IT-Systemen und die Schätzung der Kosten für die Errichtung und den Betrieb vorgesehen. Bis Ende Juni 2010 bzw. bis zum Ende des Sommers wird sich das Projektteam um die Erstellung der Antragsunterlagen für die Bank-Lizenz bemühen und eigene IT-Systeme und das Kontrollsystem für das Back-Office zusammenstellen. Der Bankbetrieb kann, wenn alles planmäβig verläuft, Ende des Jahres 2010 aufgenommen werden.
CFA ist bestrebt, den Beitritt jedem Unternehmen, gleichviel ob europäisch oder nicht, vorzuschlagen, das an einer Diversifizierung seiner mittel- und langfristigen Finanzierungsoptionen interessiert ist. Alle Corporates mit einem Rating von mindestens Baa3/BBB- sind betroffen. Philippe Roca erläutert: « Es ist wichtig, dass möglichst viele Länder mitmachen. Wir haben bereits Mandate von Franzosen, Irländern, einem Schweizer, einem Amerikaner und in England, Portugal und Deutschland haben sich Interessenten gemeldet. … ».
Eine externe Analyse würde aufzeigen, dass CFA das Miβtrauen der traditionellen Banken und die Skepsis der Corporates überwinden muss. Der Weg wird sicherlich noch lang sein, bevor 100 Corporates, das Mindestziel, das sich die Gründungsmitglieder von CFA gesetzt haben, dem Projekt beitreten. In der Tat, für einen Finanzdirektor eines Unternehmens wird es nicht einfach sein, seine Generaldirektion davon zu überzeugen - und in den meisten Fällen zudem eine Genehmigung vom Verwaltungsrat zu erhalten, Eigenkapital in eine Bank einzubringen, selbst wenn dieses ungewöhnliche Risiko nützliche Finanzierungschancen eröffnet.
Was die Banken angeht, ist hingegen nicht sicher, dass sie eindeutig feindlich eingestellt sind: wenn CFA an ihre Stelle tritt und einen geringen Teil ihrer Tätigkeiten übernimmt, die zudem kaum rentabel sind (nur Bankkredite an Corporates mit Investment-Grade) wäre kein Verlust, der durch den Gewinn eines neuen Kunden nicht wettgemacht werden könnte - nämlich CFA. Für ein Unternehmen ist auch ausgeschlossen, nur bei CFA und bei keiner anderen Bank verschuldet zu sein. Allein die Satzung von CFA wird es verbieten: Die Kreditlinien von CFA dürfen nicht mehr als ein Drittel der Bruttoverschuldung (neben den nicht beanspruchten Linien) eines ihrer „Mitglieder“ decken. CFA wird sich sodann refinanzieren müssen und kurzfristige Papiere und Schuldverschreibungen begeben und sogar Kreditlinien abschlieβen. « Grundsätzlich bleibt für die Banken wesentlich, dass CFA ihnen keine Konkurrenz bei den diversen Arten von Nebengeschäften macht, um die sie bei den Corporates kämpfen. Nach dem derzeitigen Stand des Projekts ist es CFA verboten, diese Art von Dienstleistungen anzubieten », erläutert Philippe Roca.
Unter den Einwendungen seitens der Corporates ist nennenswert, dass der Eindruck erweckt wird, nur Corporates mit einem schlechten Rating können von diesem System profitieren. In der Tat, wenn die Risiken wie geplant zusammengeschlossen werden und es mit CFA möglich sein wird, AA- oder A+ eingestuft zu werden (das entspricht jedenfalls dem vorläufig geschätzten Rating), zahlt jeder Schuldner letztendlich den „angemessenen“ Preis für sein Rating, das von seinem Spread am Sekundärmarkt abhängt, sei es für die Anpassung der Einschuβzahlungen oder die Verteilung der Gewinne in Form von Dividenden. Im Übrigen soll für die Schulden eine Mindestabsicherung für Währungs- und Zinsrisiken abgeschlossen werden.
Bilanzfestigkeit
Die Initiatoren des Projekts müssen auch überzeugen können, dass die Struktur sicher ist. Sie bestehen daher darauf, dass es sich um eine Bank handelt. „Wir haben diesen Status anstelle eines anderen wie beispielsweise einer Finanzgesellschaft gewählt. Einerseits wird uns die Kontrolle der Bankenaufsicht helfen, unsere eigene Kontrolle zu optimieren, und andererseits wird im Falle der leider nicht auszuschlieβenden Möglichkeit einer Verwerfung der Märkte CFA sich direkt bei der EZB refinanzieren können“ bemerken zusammenfassend Philippe Roca und Sylvain de Forges. „Denn wenn man aufmerksam die mechanischen Folgen prüft, die sich aus dem vertraglichen Rahmen ergeben, der für die Beziehungen zwischen CFA und ihren « Gesellschaftern (Aktionäre und Kunden im banktechnischen Sinn) vorgeschlagen wird, stellt man fest, dass konjunkturelle Umstände eintreten müssten, neben denen die Krisen von 1932 oder 2007/2008 « harmlos » erscheinen, damit die Gesellschafter von CFA von den Behörden aufgefordert werden, das Eigenkapital wieder aufzufüllen, um die Solvabilität dieser Bank zu gewährleisten: CFA wird sehr, sehr vorsichtig sein - ex ante -; ihre Mitglieder werden ex ante mit dieser Vorsicht einverstanden sein, weil sie wissen, dass selbst wenn sich diese Vorsicht mittelfristig als übertrieben erweisen sollte, sie davon profitieren werden, weil diese Vorsicht in Dividenden an sie zurückgezahlt wird. Diese ganz einfache Erkenntnis, die aber in Vergessenheit geraten ist oder im Zuge der Modernisierung der Finanzgeschäfte in den letzten 20 Jahren verworfen wurde, hat im 19. Jahrhundert in Frankreich, in Deutschland und in anderen Ländern die Initiatoren der ersten Genossenschaftsbanken inspiriert“, führt Sylvain de Forges weiter aus.
Ganz allgemein wird das Bank-Management von Aktiva und Passiva sehr konservativ sein: mit Hilfe der Mikroabsicherung der Schulden werden das Währungsrisiko (Umtausch in Euro) und das Zinsrisiko (Umstellung auf einen variablen Zinssatz) sämtlicher Aktiva und Passiva abgesichert. Selbst wenn die Refinanzierungen bei der EZB begrenzt sein müssen und nur vorübergehend sein können, werden sie in Krisenzeiten sehr hilfreich sein. Diesbezüglich wartet CFA insbesondere ab, wie groβ die « Vorsicht » des Regulierers hinsichtlich des maximalen Unterschieds der Duration der Aktiva und der Passiva abgesehen von auβergewöhnlichen Umständen sein wird. Da CFA nur Kreditgeschäft betreibt, wird ihr Hebel gering sein, etwa 20 im Falle einer maximalen Ziehung (und 1 nach dem Foundation-Ansatz), jedoch eher 10, wenn die Hälfte der zugesagten Kreditlinien abgerufen wird, eine Annahme, die unter normalen Umständen wahrscheinlicher ist.
Mit Hilfe von Simulationen der Tätigkeit zeigt Philippe Roca „die Bilanz ist sehr fest: In Zeiten, in denen Marktbedingungen wie im Jahr 2006 herrschen, decken die jährlichen Erträge von CFA eine Ausfallrate von 1,2%, d.h. 2,3 Mitglieder von 200 bzw. 3mal der langfristige Durchschnitt der Ausfallrate für eine Population Investment Grade und einer durchschnittlichen Recovery Rate von 55%. Auf der Basis der Emissionsbedingungen Ende 2008, decken die Erträge von CFA eine Ausfallrate von 5,5%, d.h. 11 Mitglider von 200 bzw. 14mal die durchschnittliche Ausfallrate auf der Basis einer Recovery Rate dividiert durch zwei gegenüber dem Mittelwert“.
Um die Liste der relativen Vorteile zu ergänzen, unterstreicht CFA die Flexibilität dieser Finanzierungsquelle und insbesondere die durchschnittliche Konkurrenzfähigkeit, wenn man die Nettokosten für den Schuldner berücksichtigt. Leiter des Finanz- bzw. Finanz- und Treasurybereichs sollten kalkulieren, was zu gewinnen ist. Aber auch die langfristigen Perspektiven sind vorteilhaft. Es stimmt, das Projekt wurde während der Krise konzipiert, aber die Krise ist heute zu Ende (obgleich der Markt der syndizierten Kredite kaum aktiv ist). Niemand kann heute sagen, ob es nicht wieder zu Turbulenzen kommen wird. CFA ist ein System, das einem Unternehmen die Möglichkeit bietet, einen Teil seiner Liquidität in schwierigen Zeiten zu sichern. Eine Art Vollkasko-Versicherung. Übersicht der Vorteile von CFA für die Corporates
Quelle: CF Advisory
[1] Man geht davon aus, dass sich die « groβen Corporates » von den Finanzintermediären weitgehend getrennt haben und im Allgemeinen einen breiten Zugang zu den Kapitalmärkten haben. |
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