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Angesichts der Zurückhaltung der Banken bei der Refinanzierung gewinnen alternative Finanzierungsformen an Gewicht. Selbst in den lange totgesagten Markt für Asset Backed Securities (ABS) kommt wieder Bewegung, nachdem die US-Regierung mit Asset-Backed Securities Loan Facility (TALF) einen Rettungsplan zur Belebung der Verbriefungsmärkte ins Leben gerufen hat. Nach bescheidenen Anfängen wird TALF inzwischen stark nachfragt und findet auch zunehmend Nutzer in Deutschland. Das im März aufgelegte TALF-Programm ist ein Teil des Rettungspakets der US-Regierung für Banken und Finanzmärkte, mit dem die US-Notenbank Kredite in Höhe von bis zu 1000 Milliarden Dollar freisetzen will. Private Investoren, die TALF-fähige Asset Backed Securities kaufen, können diese bei der New Yorker Fed als Sicherheit hinterlegen und dafür Kredite bekommen. TALF-fähig sind jedoch nur Wertpapiere bester Bonität, die mit Autokrediten, Kreditkartenschulden und Studentenkrediten besichert sind. Die Notenbank übernimmt dabei keine Garantie für den Emittente.
Durch diesen Ankauf von Wertpapieren will die Notenbank Anreize schaffen, um die Verbriefungsmärkte für private Investoren attraktiver und damit auch wieder liquider zu machen. Nach bescheidenen Anfängen scheint das Programm inzwischen zu greifen: Nachdem im März und April noch 4,7 Milliarden und 1,7 Milliarden Dollar abgerufen wurden, vergab die Fed im Mai 10,6 Milliarden Dollar an Krediten. In der jüngsten TALF-Runde im Juni wurden nochmals 11,5 Millionen Dollar an Finanzierungshilfen vergeben.
Damit werden TALF-fähige Bonds auch für europäische Unternehmen immer interessanter. Durch die Finanzkrise war der Markt für Asset Backed Securities, die eine wichtige Refinanzierungsquelle unter anderem für Autobanken sind, komplett zusammengebrochen. Das Hilfsprogramm der US-Regierung scheint die Verbriefungsmärkte nun wieder in Gang zu bringen. So hatte der Finanzarm von VW bereits im einen Mai einen Bond begeben, der von Investoren als Sicherheit für Kredite genutzt werden kann. Im Juni zog die US-Finanztochter von BMW nach und emittierte ein TALF-fähiges, mit Leasingverträgen besichertes Wertpapier.
Das im Rahmen der Juni-Auktion der US-Notenbank aufgelegte BMW-Programm mit dem Namen BMW Lease2009_1 hat ein Volumen von 2 Milliarden Dollar. Konsortialführer sind Barclays und JP Morgan, zusätzlich wurde die Emission von Citigroup, Royal Bank of Canada, Royal Bank of Scotland und Société Générale begleitet. Das größte, mit einer Bonität von AAA eingestufte Paket des Bonds mit einem Volumen von 933 Millionen Dollar wurde 170 Basispunkte über der Futures-Benchmark verkauft.
Bereits im Mai hatte die Volkswagen AG ein TALF-fähiges ABS-Programm über 1,75 Milliarden Dollar aufgelegt. Die größte Tranche des Bonds über 489 Millionen Dollar wurde mit 185 Basispunkten über dem Referenzzinssatz ausgegeben und von J.P. Morgan Chase und Banc of America begleitet.
Die beiden Autobauer Ford und Nissan, die im März erste TALF-fähige Bonds auf den Markt gebracht hatten, zogen im Juni ebenfalls nach. Der japanische Autobauer begab eine mit Triple-A- eingestufte Anleihe über eine Milliarde Euro, wobei die größte Tranche über 450 Millionen Dollar 170 Basispunkte über dem Referenzsatz verkauft wurde. Der Juni-Bond von Ford mit dem Namen Ford Credit Auto 2009-B und einem Volumen von 2 Milliarden Dollar wurde mit 140 Basispunkten über dem Referenzsatz gehandelt, während der US-Autobauer im März noch 240 Basispunkte für eine zwei Jahre laufende Anleihe bezahlt hatte. Konsortialführer für den Nissan-Bond waren Bank of America, Citigroup and HSBC, während Ford von Barclays, BNP Paribas, Citigroup and HSBC begleitet wurde.
Doch von den gestiegenen Aktivitäten an den primären Verbriefungsmärkten profitieren nicht nur die emittierenden Unternehmen. Verbriefungen gehören zu den wichtigsten Refinanzierungsquellen der europäischen Banken. Seit Beginn der Finanzkrise können in Europa jedoch so gut wie keine strukturierten Produkte mehr platziert werden. Dies wird von vielen Experten als ein wichtiger Grund für die schleppende Kreditvergabe der Banken gesehen.
Deshalb wird das amerikanische TALF-Programm von europäischen Bankern mit großem Interesse beobachtet. Nach Meinung vieler Experten hat TALF bereits dazu beigetragen, dass die Aktivität an den primären Verbriefungsmärkten wieder gestiegen ist. Zudem hätten sich die Risikoaufschläge auf hoch bewertete ABS-Papiere in den USA verringert.
Deshalb fordern nun auch europäische Geldhäuser einen Anschub für den Verbriefungsmarkt, um eine drohende Kreditklemme abzuwenden. So ergab eine Ende Mai veröffentlichte Umfrage der europäischen Zentralbank (EZB), dass eine europäische TALF-Variante die Märkte für Covered Bonds und Asset Backed Securities beleben könnte. "Die Wiederherstellung der Liquidität in den Märkten wurde als wesentlich erachtet", erklärte die EZB. "Das deutet auf eine Lösung entlang der Linie des in den USA gestalteten TALF".
Für die EZB wären solche Finanzierungshilfen für Nicht-Banken-Investoren theoretisch möglich. Sie müsste aber ihre Statuten anpassen. Jedoch hat die EZB in den vergangenen Monaten stets betont, dass ihr Fokus auf den Bankensektor gerichtet ist. Ein Umgehen der Banken, wie es in den USA möglich ist, wäre nach Ansicht vieler Experten auch wenig sinnvoll, da die Unternehmensfinanzierung in der Euro-Zone anders als in den USA hauptsächlich über Banken läuft. Zudem sei bislang nur bei einfachen Verbriefungsmodellen, deren Risiko leicht abzuschätzen ist, ein positiver Effekt zu beobachten. Kompliziertere Verbriefungsvarianten und Verbriefungen unterhalb erstklassiger Bonitäten seien dagegen nach wie vor nicht platzierbar.
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