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Die zunehmende Globalisierung hat das internationale Cash Management zu einem Schwerpunktthema für das Treasury gemacht. Wie man ausländische Tochtergesellschaften in die Liquiditätsplanung integrieren kann, welche Anforderungen an die Systemlandschaft gestellt werden und welche Stolpersteine zu beachten sind, war ein Thema des Diskussionsforums „Grenzüberschreitendes Cash Management – Praxisberichte“ auf dem 21. Schwabe, Ley & Greiner- Finanzsymposiums, das am 24. April in Mannheim stattfand.
Einer der wichtigsten Faktoren, der internationales Cash Management ins Blickfeld vieler Unternehmen rückt, ist das Einsparpotential. „Es geht vor allem um die messbaren Benefits – nämlich um die Zinskosten“, sagt Jörg Wiemer, Senior Vice President of Global Treasury der SAP AG. Dies ließe sich unter anderem am Beispiel einer Inhouse Bank verdeutlichen. „Durch unsere Inhouse-Bank, deren Bilanzsumme knapp 4 Milliarden Euro umfasst, konnten Zinsersparnisse im einstelligen Millionen Euro-Bereich erzielt werden.“ Ähnlich beurteilt Rando Bruns, Head of Treasury, Merck KGa, den positiven Effekt einer Inhouse-Bank. „Die Wirtschaftlichkeit der grenzüberschreitenden Inhouse-Bank war bei Merck sehr offensichtlich, da wir zuvor sehr dezentral aufgestellt waren. Die Einspareffekte liegen wahrscheinlich im Bereich von einer Million Euro.“
Einen weiteren Vorteil des grenzüberschreitenden Cash Managements sieht der SAP-Manager Wiemer in dem verbesserten Risikomanagement. „Durch unser internationales Cash Management haben wir eine tägliche Transparenz über die Liquiditätssituation in der gesamten Unternehmensgruppe“, sagt Wiemer. „Wir importieren unsere 80.000 Kontoauszüge weltweit innerhalb der SAP Gruppe über eine zentrale Schnittstelle. Der Liquiditätssaldo wird innerhalb der SAP-Gruppe nicht in Excel, sondern anhand der gebuchten Positionen im SAP-System angezeigt.“ Dies sei in der aktuellen Marktsituation besonders wichtig. „Ich hatte noch nie so viele Anfragen von meinem CFO und dem Aufsichtsrat, in welchen Ländern wie viel Geld bei welchen Banken zu welchen Konditionen liegt.“
Zudem ist die Risikovermeidung laut Wiemer auch in Bezug auf das Counterparty-Risiko wichtig „Sie müssen über geeignete Maßnahmen verfügen, um ausgehende Zahlungen zu blockieren.“ So könnten bei SAP im Notfallszenario die gesamten ausgehenden Zahlungen des gesamten Unternehmens, oder im Falle einer Insolvenz einer Bank die Zahlung an eine bestimmte Bank blockiert werden. Es sei auch möglich, die Zahlungen der SAP an Lieferanten zu stoppen, die bei dieser insolventen Bank ein Konto haben. Diese Form der Risikovermeidung sei auch im Sinne der Lieferanten und Geschäftspartner und setze nicht erst im Insolvenzfall ein. „Wenn ich merken würde, dass ein Geschäftspartner im Rating nach unten geht, können wir flexibel darauf reagieren“, sagt Wiemer.
Für Bruns ist das Thema Währungen ein weiterer zentraler Aspekt im internationalen Cash Management. Hier seien es vor allem technische Faktoren, die Probleme bereiteten. „Durch die Zeitunterschiede zu unserer Zentrale in Darmstadt sind taggleiche Überträge oft nicht möglich. Es werden buchhalterische Salden kreiert, die am Monatsende zu Ergebniseffekten aus Währungen führen können“, sagt Bruns. Um dies zu vermeiden, habe Merck bestimmte „Work Arounds“ entwickelt und könne auch direkt in das System eingreifen. „Wir geben auch die Kurse für unsere Buchhaltungssysteme vor – egal wo sie sind. So können wir sicherstellen, das wir bei unseren Transaktionen keine Währungseffekte haben“, sagt Bruns. Herausforderung Systementscheidung Ein weiteres Problemfeld sieht Bruns in länderspezifischen Restriktionen. Deshalb arbeite Merck mit Siemens Financial Services zusammen, da dieser Systempartner auch in sehr vielen Ländern vertreten ist. Dies sei aber nur einer der Gründe für die Einführung der Siemens-Software Finavigate gewesen. „Es war für uns damals wichtig, ein System zu finden, das wir sehr schnell einführen konnten und zu allen anderen Systemen passt. Finavigate ist web-basiert, nicht gehostet und ein System mit relativ einfachen Schnittstellen“, sagt Bruns. „Es können manuelle Eingaben gemacht werden, und es ist sehr einfach vom Handling, sehr flexibel und mehrsprachig“, erläutert der Merck-Manager seine Systementscheidung.
Dagegen setzt Wiemer auf das hauseigene SAP-System. „Aus meiner Sicht sind die Anforderungen an ein System folgendermaßen: es muss integriert, stabil, sicher und global verfügbar sein – diese Voraussetzungen sind bei SAP erfüllt. Ein Berechtigungskonzept muss über die gesamte Gruppe einheitlich sein, und dies ist gegeben, wenn Sie ein integriertes System nutzen.“ Dies umfasse die gesamte Prozesskette von der Zahlungserstellung, dem -vorschlag und der -freigabe über den Transport der Datei an die Bank, die Meldung über den Zahlungseingang bis hin zum Kontoauszug.
Jochen Becker, Head of Treasury der Sick AG, vertritt dagegen einen pragmatischen Ansatz. „Bei der Sick AG ist die Systemlandschaft sehr heterogen – einige Tochtergesellschaften haben SAP im Einsatz, bei anderen wäre SAP überdimensioniert“, sagt Becker. Anforderung an das Treasury System sei, dass die gesamte Kontodisposition weitgehend automatisiert durchgeführt werden kann, und einfache Schnittstellen zum SAP-System hergestellt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt war für Sick die Frage, wie die Meldungen der Tochtergesellschaften in das System einlaufen können. Deshalb sei ein pragmatischer, web-basierter Ansatz zum Zuge gekommen.
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