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Die traditionell auf die Begrenzung der Lieferanten-Zahlungsfristen bedachten deutschen Unternehmen konnten in 2008 nur eine Verlängerung der Zahlungsverzögerungen feststellen. Einer Analyse der Kundenbuchhaltung tausender Unternehmen aus neun europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Italien, Spanien, Portugal, Irland und Großbritannien) zufolge, war bei den Zahlungsverzügen während des gesamten Jahres eine Verschlechterung festzustellen. Im Jahresdurchschnitt betrug die Verzögerung, die 2007 noch bei durchschnittlich 9,4 Tagen gelegen hatte, nun 10,4 Tage. „In einem Land mit normalerweise vorbildlicher Zahlungsmoral zeugt die Verlängerung der Zahlungsverzögerungen um einen Tag innerhalb eines Jahres von dem Druck, der auf den Treasury-Bereichen lastet“, stellt Thierry Million, Leiter der Untersuchungen bei Altarès fest. Dank der Bemühungen der letzten fünf Jahre zur Reduzierung der Anzahl der Tage zwischen Fälligkeit und Begleichung der Rechnungen können die deutschen Unternehmen ihre Spitzenposition dennoch verteidigen.
In Europa ist die Tendenz zu längeren Zahlungsverzügen noch ausgeprägter. Mit 14,9 Tagen Ende 2008 wiesen sie eine Verschlechterung um 2,4 Tage innerhalb eines Jahres auf. „Die in den Jahren 2006 und 2007 stabilen Zahlungsverzugsfristen verschlechtern sich seit Beginn 2008 unaufhörlich. Da gleichzeitig sowohl ihre Geschäftstätigkeit als auch ihre Kreditlinien schrumpfen, sind die Unternehmen versucht, Lieferantenkredite zu nutzen, indem sie ihre Zahlungen hinauszögern“, erläutert Thierry Million. Trotz der Krise verzeichneten Frankreich und Portugal eine gegenläufige Entwicklung zum allgemeinen Trend und verringerten ihre Zahlungsverzugsfristen um 0,3 bzw. 1,1 Tage. 
Quelle: Altares
Hinsichtlich der Verzugstage befinden sich die Niederlande (11,6 Tage) und Frankreich (11,9 Tage) gemeinsam mit Deutschland in der Spitzengruppe. Dahingegen sind Italien (20,6 Tage), wo die Fristen im Jahr 2008 sprunghaft anstiegen, Portugal (22,1 Tage) und Irland (19,2 Tage) die Länder, in denen die Unternehmen sich die meiste Zeit zur Begleichung ihrer Rechnungen lassen. Zudem gibt es eine starke positive Korrelation zwischen den vertraglich festgelegten Zahlungsfristen, die in Südeuropa bei 70 Tagen und in den anderen Ländern bei 30 bis 50 Tagen liegen, und den Zahlungsverzugsfristen. Zusammengefasst ist zu beobachten, dass die Zahlungsverzugsfristen umso länger sind, je länger die gewährte Zahlungsfrist ist.
Branchenanalyse
Die schlechtere Zahlungsmoral ist in allen Wirtschaftsbereichen Deutschlands spürbar. Die Branchen Transport, Industrie und Dienstleistungen begrenzten die Verlängerung der Zahlungsverzugsfristen zwar auf einen Tag, aber die Behörden zahlen durchschnittlich erst 18 Tage nach Rechnungsfälligkeit – das sind 9,4 Tage mehr als im letzten Jahr.
Trotz allem behalten die deutschen Unternehmen weiterhin ihren Vorbildcharakter in Zahlungsangelegenheiten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen begleichen ihre Rechnungen bei Fälligkeit, wohingegen diese Quote in Europa bei 40 % und in Frankreich und Großbritannien bei einem Drittel liegt. Zahlungsverzugsfristen von mehr als 30 Tagen gibt es bei weniger als 6 % der Unternehmen. „Verzögerungen von weniger als 15 Tagen sind noch häufiger bei aktiv tätigen Unternehmen festzustellen und eine Zahlungsverzugsfrist von 30 Tagen wurde als Schwelle für ein steigendes Risiko bestätigt. Ab 30 Tagen Verzug versechsfacht sich die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls. Und ab 69 Tagen ist die Wahrscheinlichkeit elfmal höher“, erläutert Altarès. Von den Zahlungsverzögerungen seien jährlich 90 Milliarden Euro betroffen, was für die betroffenen Unternehmen einen Ertragsausfall von 11 Milliarden Euro bedeute. Noch schlimmer sei, dass die Nichteinhaltung der Rechnungsfälligkeiten die Ursache eines Viertels der Pleiten sei.
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