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Bundesverband Inkasso sieht Aufschwung durch miese Zahlungsmoral gefährdet Drucken E-Mail
1.12.2003

Frank Schnattinger
Die Pleitewelle in Deutschland wird im zu Ende gehenden Jahr einen neuen Höchststand erreichen. Mit rund 40.000 (Vorjahr: 37.579) Unternehmenspleiten und 65.000 (Vorjahr: 46.849) Insolvenzen natürlicher Personen verzeichnet Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) erstmals über 100.000 Insolvenzen. Davon, so der BDIU, dürfte über eine halbe Million an Arbeitsplätzen betroffen sein. Grund für die Pleiten ist in erster Linie, neben der Konjunkturschwäche, vor allem eine anhaltend schlechte Zahlungsmoral, erklärt BDIU-Vorstandssprecher Ulf Giebel.

In der traditionellen Herbstumfrage des BDIU berichten 55 Prozent der 489 im Bundesverband zusammengeschlossenen deutschen Inkasso-Unternehmen, dass sowohl gewerbliche als auch private Schuldner heute schlechter zahlen, als noch vor einem Jahr. "Die Zahlungsmoral ist jetzt so mies wie nie", sagt Giebel. Immerhin habe sich der Abwärtstrend deutlich verlangsamt. Noch im Frühjahr 2003 berichteten 63 Prozent der Inkasso-Unternehmen von einer nachlassenden Rechnungstreue, vor einem Jahr waren es gar noch über zwei Drittel (69 Prozent).

Für eine Entwarnung, so Giebel, sei es allerdings deutlich zu früh. "Im Moment lässt sich noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob wir im nächsten Jahr ein deutliches Wirtschaftswachstum haben werden. Wächst die Wirtschaft wie erwartet nur schwach, können eine anhaltend schlechte Zahlungsmoral und die damit verbundenen Forderungsausfälle der Unternehmen die positiven Impulse schon wieder zunichte machen", mahnt der BDIU-Vorstand.

Als eine der wesentlichen Ursachen für die schlechte Zahlungsmoral hat der BDIU die schlechte Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen ausgemacht. "Leider machen wir noch immer die Erfahrung, dass viele Unternehmen einfach zu schlecht gerüstet sind, um kurzfristige Liquiditätsschwierigkeiten mit eigenen Mitteln auffangen zu können", berichtet Giebel. Eine höhere Eigenkapitalausstattung der deutschen Unternehmen sei daher nicht nur aufgrund von Basel II und der damit einhergehenden restriktiveren Kreditvergabe der Banken angebracht, sondern auch um gegen Forderungsausfälle gewappnet zu sein. Seiner Empfehlung nach sollte die Eigenkapitalquote daher bei mindestens 30 Prozent der Bilanzsumme des Unternehmens liegen.



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