| 15. Finanzsymposium: Osteuropa – Strategien beim Einstieg für deutsche Investoren |
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| 27.05.2003 | |
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Uli Oberndorfer Zumindest rechtlich birgt beispielsweise der russische Markt für deutsche Firmen kaum Überraschungen. "Denn Russland besitzt ein kontinental geprägtes Rechtssystem", erklärte Oxana Balayan, Partnerin bei Lovells. Wenn sich ausländische Unternehmen aber auf ihr einheimisches Recht verlassen wollen und in dessen Rahmenbedingungen Verträge mit russischen Partnern abschließen, kann es dennoch zu Problemen kommen. Der Grund dafür ist, dass zwischen Russland und Deutschland kein Rechtshilfeabkommen existiert und Entscheidungen deutscher Gerichte in Russland nicht umgesetzt werden. Nicht nur deshalb ist Vorsicht bei der Expansion in die CEE-Region dringend erforderlich. "Es gibt noch viele Probleme in diesem Raum", sagte Osteuropa-Experte Paul Lendvai. "Zu beachten sind Korruption und Kriminalität. Die größte Gefahr ist jedoch der Nationalismus. In vielen Ländern besteht die Gefahr, dass er instrumentalisiert und manipuliert wird." Wenn sich ein Unternehmen dennoch für den russischen Markt entschieden hat, ist es wichtig, die passende Rechtsform für die Filiale zu wählen. Viele Firmen beginnen zunächst mit einer unselbständigen Niederlassung. "Diese ist keine juristische Person. Sie ist aber für Produktion oder aktiven Vertrieb ungeeignet, da ein russisches Unternehmen zum Beispiel für Einfuhren oder Lizenzen häufig eine juristische Person benötigt", erklärte Oxana Balayan. Gerade für Tochtergesellschaften bietet sich häufig die Form einer GmbH an, eine geschlossene Aktiengesellschaft ist die typische Joint-Venture-Form. Frisch privatisierte Unternehmen oder Gesellschaften mit staatlicher Beteiligung sind häufig offene AGs. Bei einem Einstieg in diese Firmen mahnt Balayan jedoch zur Vorsicht. "Diese Gesellschaften sind immer am schwierigsten zu prüfen. Zudem sind Privatisierungen in Russland generell eine chaotische Angelegenheit." Auch in Polen stehen noch einige interessante Privatisierungen an, auch wenn sich der Staat schon zu einem großen Teil aus der Wirtschaft zurückgezogen hat. "Während im Jahr 1990 der private Sektor nur 31 Prozent des BIP generierte, waren es vergangenes Jahr immerhin schon 72 Prozent", sagte Marek Wroniak, Partner bei Lovells. Auch die Foreign Direct Investments (FDI) haben im vergangenen Jahrzehnt in Polen kräftig zugenommen. Von 105 Millionen € in 1990 stiegen sie auf 56 Milliarden € in 2002. Auch für deutsche Investoren könnten sich aber noch interessante Einstiegsmöglichkeiten durch Privatisierungen auf dem polnischen Markt ergeben. "In Polen steht die Privatisierung noch bei zwei Banken an", sagte Wroniak. Neben der PKO Bank Polski wird auch die BGZ wohlmöglich bald zum Verkauf feilgeboten – und zwar per Capital Privatization, also als IPO. Weitere Möglichkeiten der Privatisierung sind Direct Privatization, der direkte Verkauf an einen Investor, oder eine Debt-Equity Swap Privatization. In diesem Fall kann ein Gläubiger Anteile einer Firma übernehmen und dieser im Gegenzug die Schulden erlassen. Neben den Banken könnte es in bald zur Privatisierung des Energiesektors und der Bahn kommen. Egal wie deutsche Unternehmen in die osteuropäischen Märkte einsteigen – etwas Geduld müssen die Investoren in jedem Fall mitbringen. Oder wie es Oxana Balayan exemplarisch für den russischen Markt formuliert: "In Russland geht alles ein bisschen langsamer, daran muss man sich einfach gewöhnen." |
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