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Moody´s: Deutlicher Rückgang der Defaults bei europäischen Industrieanleihen Drucken E-Mail
5.04.2004

PE
Nach einem Höchststand von 20,1 Prozent im Jahr 2002 sind die Ausfallraten bei europäischen Industrieanleihen im spekulativen Bereich 2003 wieder deutlich zurückgegangen und lagen Ende des Jahres nur noch bei 6,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Ratingagentur Moody's Investors Service in ihrer soeben veröffentlichten "Europäischen Ausfallstudie", die bereits im dritten Jahr erscheint und den Zeitraum von 1985 bis 2003 abdeckt. Bei der nach Volumen gewichteten Ausfallrate wurde sogar ein noch stärkerer Rückgang von 57,1 Prozent im Jahr 2002 auf 6,7 Prozent im vergangenen Jahr registriert.


Quelle: Moody´s

Nur neun der von Moody's gerateten europäischen Anleihe-Emittenten aus dem Industriebereich waren im Jahr 2003 von einem Zahlungsausfall betroffen. Das Ausfallvolumen betrug dabei 3,5 Milliarden €. Ein Jahr zuvor waren es noch 28 Emittenten, die Verbindlichkeiten mit einem Volumen von mehr als 42 Milliarden € nicht mehr erfüllen konnten. Der schwerwiegendste Ausfall unter den von Moody's gerateten Unternehmen betraf 2003 die in Luxemburg ansässige Millicom International Cellular S.A. mit einem Ausfallvolumen von 800 Millionen €, gefolgt von der British Energy, plc. Einzigster deutscher von Moody´s gerateter Default war die Ekabel Hessen GmbH. Von diesem Ausfall war ein Volumen von 560 Millionen € betroffen. Neben den zum Parmalat-Konzern gehörenden Unternehmen, die von Moody's nicht geratet wurden, waren noch drei weitere, von Moody's ebenfalls nicht geratete europäische Emittenten aus dem Industriebereich nicht in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

"Aufgrund einer Flut von Zahlungsausfällen im Telekommunikations-, Technologie- und Energiesektor hatten die Ausfallraten 2002 Rekordhöhen erreicht", sagt Michael West, Managing Director bei Moody's in Frankfurt. "Zwischenzeitlich haben die Unternehmen ihre Bilanzen bereinigt und somit gestärkt, was 2003 zu einer geringeren Zahl von Ausfällen geführt hat."

"Vor dem Hintergrund der steigenden Bonität und des günstigen Kreditumfelds hat sich auch das Verhältnis von Herauf- zu Herabstufungen bei den europäischen Emittenten von 0,25 auf 0,49 verbessert", ergänzt Praveen Varma, Vice President bei Moody's und Autor der Studie. Ein weiteres Indiz für die höhere Kreditqualität ist die deutlich geringere Zahl von Emittenten (19 gegenüber 32 im Jahr 2002), die aus dem Investmentbereich in den spekulativen Bereich abgerutscht sind und als "gefallene Engel" ("Fallen Angels") bezeichnet werden. Mit Coca-Cola Erfrischungsgetränke, HeidelbergCement und mg technologies zählten gleich drei Unternehmen zu dieser Kategorie.



Quelle: Moody´s

Die Ausfallraten in den einzelnen Ratingkategorien bewegen sich bei europäischen und nordamerikanischen Emittenten seit jeher auf einem sehr ähnlichen Niveau. "Vor allem im geographischen Vergleich", so Varma, "trennen die von Moody's erteilten europäischen Ratings äußerst zuverlässig zwischen ausfallgefährdeten und nicht ausfallgefährdeten Emittenten."

Trotz des beschleunigten Rückgangs der Ausfallraten in Europa bewegen sich die Rückzahlungsquoten für ausgefallene Anleihen noch immer auf einem ähnlich niedrigen Niveau (im Durchschnitt 19,9 Prozent) wie im Vorjahr (20 Prozent). "Die Rückzahlungsquoten in Europa sind nach wir vor gering und liegen nur auf etwa der Hälfte des Niveaus, mit dem die Gläubiger in Nordamerika im Schnitt rechnen können", erläutert Varma. "Es ist allerdings noch zu früh, um beurteilen zu können, ob die relativ geringen durchschnittlichen Rückzahlungsquoten in Europa auf dauerhafte strukturelle Merkmale dieses speziellen Marktes oder lediglich auf eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Zahlungsausfällen im schwer gebeutelten Hochtechnologiesektor zurückzuführen sind."


Quelle: Moody´s

"Laut dem von Moody's entwickelten Prognosemodell dürfte die Ausfallrate für den spekulativen Bereich weltweit in diesem Jahr auf 3,0 Prozent fallen, was sich unseres Erachtens mit den verbesserten Rahmenbedingungen an den Kreditmärkten deckt", erläutert Varma. Moody's gibt zwar keine Prognosen über die Ausfallraten in einzelnen Regionen ab, rechnet aber damit, dass sich die europäische Ausfallrate 2004 entweder auf einem ähnlich hohen oder geringfügig niedrigeren Niveau als 2003 bewegen wird.

Die unter dem Titel "Default and Recovery Rates of European Corporate Bond Issuers, 1985-2003" veröffentlichte "Europäische Ausfallstudie" erscheint bereits im dritten Jahr und umfasst die Gesamtheit der von Moody's gerateten europäischen Anleihe-Emittenten, deren Zahl von weniger als 100 im Jahr 1985 auf mittlerweile über 1.000 angewachsen ist und kontinuierlich zunimmt. Während dieses Zeitraums waren insgesamt mehr als 125 geratete und ungeratete Unternehmen nicht in der Lage, ihren Anleiheverbindlichkeiten nachzukommen.




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