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Rating Tools geben Analysten und Beratern Spielraum Drucken E-Mail
8.10.2003

Patrick Eisele
Arbeiten ohne das erforderliche Werkzeug? Das ist für kaum eine Berufsgruppe vorstellbar. Auch nicht für Personen die sich mit Ratingprozessen beschäftigen. Das Werkzeug der Bonitätsprüfer: Rating Tools.

Je nach Anwender dient ein Rating Tool zur Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten, zur Unterstützung bei der Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen oder für die Gewährleistung einer nachvollziehbaren Analyse. Während Unternehmen im Selbst-Check die Sichtweise ihrer Hausbank eruieren, Berater Handlungsempfehlungen aus der Toolanwendung ableiten, stützen sich Analysten von Ratingagenturen für die Gewährleistung von korrekten Unternehmensanalysen auf Tools.

Den Usern steht ein großes Angebot an Ratingsoftware gegenüber. Laut Expertenmeinungen liegt die Anzahl der am Markt befindlichen Tools im unteren zweistelligen Bereich. Die Funktionalitäten der Tools sind jedoch unterschiedlich. So beschränken sich manche Tools beispielsweise auf den quantitativen Bereich, andere sind für eine ganzheitliche Unternehmensanalyse einsetzbar. Während Tools für den Selbst-Check meist rund 100 Fragen haben und die Kosten im zweistelligen Bereich liegen, kommen Analysten-Tools auf etwa fünfmal so viele Fragen und Kosten im vierstelligen Bereich.

Einfluss des Analysten

Etwas Licht in den Angebotsdschungel der Beratersoftware versucht der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) zu bringen, der gegenwärtig Tools von RS Rating Services, asbu und Schneck Rating unter die Lupe nimmt. "Das Tool soll den Berater dabei unterstützen, dem Kunden sagen zu können, wo er steht, wie er von der Bank gesehen wird und welche Verbesserungsvorschläge angebracht sind", definiert BDU-Geschäftsführer Christoph Weyrather seine Grundanforderungen an ein Tool aus Consultingsicht.

Kein Kriterium ist für Weyrather, dass die Bewertung möglichst unabhängig vom analysierenden Berater ausfallen muss. "Es kann sein, dass zwei Berater oder Bank und Berater zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Der Berater muss sich individuell einbringen können. Am Ende könnte das Tool gewinnen, das dem Berater die meisten Freiheiten zur Anpassung lässt", erklärt Weyrather und denkt hier beispielsweise an die Möglichkeit zur Eingabe individueller Branchenstatistiken.

Auch bei den Agenturen bringt der jeweilige Analyst seine persönliche Note ein. Standard & Poor´s teilt mit, dass Tools lediglich unterstützend eingesetzt werden. "Der individuelle Einfluss des Analysten auf das Rating ist naturgemäß gegeben", bestätigt Christian Konieczny von der Creditreform Rating AG. Die Creditreform setzt im quantitativen Bereich ein Tool ein, arbeitet ansonsten mit einem Fragenkatalog. Allerdings werde der Einfluss durch den Fragenkatalog, dadurch, dass immer zwei Analysten ein Unternehmen raten und durch die Begründung des Ratings vor einem Komitee der Creditreform Rating AG kontrolliert. Außerdem bekommt das Unternehmen den Bericht vorab zur Überprüfung auf sachliche Richtigkeit vorgelegt. "Subjektivität muss nicht negativ sein. Denn eine zu hohe Standardisierung wird individuellen Eigenschaften eines Unternehmens nicht gerecht", so Konieczny.

Bedenken gegen den individuellen Einfluss trägt jedoch Hans J. Loges, CEO der RS Rating Services AG: "Bei einem Rating Tool muss gewährleistet sein, dass die Nachvollziehbarkeit der Bewertung sichergestellt ist. Die Unabhängigkeit der Bewertung vom jeweiligen, individuellen Analysten muss ebenfalls gegeben sein." Durch den Ausschluss von individuellen Einflussfaktoren – beispielsweise muss der Analyst sein Urteil schriftlich begründen – sollen Manipulationen verhindert werden. Allerdings müsse ein Tool dem Berater auch Raum geben seine Expertise einbringen zu können.

Karsten Füser, Partner bei Ernst & Young, schätzt den Einfluss des Analysten auf das Ratingurteil bei den mittelständischen Agenturen als erheblich höher ein als bei S&P oder Moody´s, da dort bereits gereifte Strukturen und Prozesse vorhanden seien. "Ein Rating Tool kann jedoch bei entsprechendem Systemaufbau die Subjektivität reduzieren", meint Füser.

Anwendung erfordert Erfahrung

Eine Minimierung des individuellen Einflusses bedeutet freilich nicht, dass die Software von jedem bedient werden kann. "Für die Bedienung des Tools ist eine Ausbildung zum Ratinganalysten erforderlich. Die Anwendung des Tools ohne die erforderliche Erfahrung und Expertise eines Ratinganalysten ist fahrlässig", warnt Loges. Die Rating Services bildet an der Uni Augsburg Ratinganalysten aus. Die Absolventen bekommen das Rating Tool der Agentur, die bereits 1997 mit dessen Entwicklung begonnen hat und dieses heute in der fünften Version anbietet. Nach Einschätzung von Loges dürfte das Tool der Rating Services das am weitesten verbreitete Tool sein.

Auch BDU-Geschäftsführer Weyrather warnt vor einem zu breiten Anwenderkreis. "Die Softwarebeherrschung ist leicht. Aber für die Eingabe der richtigen Daten ist eine umfangreiche Erfahrung erforderlich. Ein Anfänger kann auch mit einem Tool nicht zu einer korrekten Bewertung kommen."

Selbst-Check-Tools

Höher als bei Ratinganalysten, Beratern, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern – auch diese Berufsgruppen zählen zu den Nutzern von Rating Tools – ist der individuelle Einfluss des Anwenders eines Tools jedoch im Selbst-Check. Also dann, wenn sich der Unternehmer selbst ratet. "Von einem Selbst-Check halte ich wegen der mangelnden Objektivität wenig. Ein Dritter hat auch ein besseres Einschätzungsvermögen über zum Beispiel die Güte des Debitorenmanagements", urteilt Christian Konieczny von der Creditreform. Anbieter von Tools zum Selbst-Check verfolgen jedoch neben der Gewinnung eines ersten Bildes von den Stärken und Schwächen eines Unternehmens meist andere Ziele. "Ziel des Tool ist es, den Mittelstand bezüglich der Thematik Rating zu sensibilisieren. Der Selbst-Check soll dem Unternehmer zeigen, nach welchen Kriterien er von der Bank betrachtet wird", erklärt Füser, der bereits ein solches Rating Tool entwickelt hat.

Der beim Selbst-Check drohenden mangelnden Objektivität kann jedoch mit einer entsprechenden Gewichtung der Hardfacts vorgebeugt werden. Darauf weist Attila Flöricke, Berater bei der Managess AG hin, dessen Partnerunternehmen Tools zum Selbst-Check anbietet. Flöricke ist also sowohl mit der Ratingsoftware für Berater als auch für die eigene Überprüfung durch den Unternehmer vertraut. Den Nutzwert stuft der Berater dabei unterschiedlich ein: "Den größten Nutzen hat der Unternehmer, wenn ihn ein Unternehmensberater unterstützt. Denn dieser kann konkrete Handlungsempfehlungen geben. Beim Selbstcheck fehlt dagegen die Interpretation der Ergebnisse." Einen zu hohen individuellen Einfluss der Berater sieht Flöricke nicht gegeben, da nur qualifizierte Consultants mit dem Rating Tool arbeiten dürfen.

Anwendern von Rating Tools liegt ein großes Angebot vor. Bei der Auswahl eines Tools muss sich der potenzielle User klar sein, in wie weit er mit diesem Werkzeug selbst die Bonitätsprüfung beeinflusst. Wichtig ist aber auch, dass Branchengegebenheiten oder individuellen Eigenschaften eines Unternehmens durch die Software Rechnung getragen werden. Eines kann aber auch das beste Tool nicht ersetzen: die für einen korrekten Ratingprozess erforderliche Expertise.




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