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Viel Bewegung bei Bonitäten deutscher Emittenten – Ausblick für deutsche Ratings negativ - HeidelbergCement in spekulativen Bereich abgestuft Drucken E-Mail
17.04.2003

Patrick Eisele
Zumindest über einen mangelnden Fleiß der Ratinganalysten von Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch können sich deutsche Unternehmen nicht beschweren. Seit Mitte Januar gab es 20 Veränderungen innerhalb der deutschen Langfristratings. Was den Emittenten weniger gefallen hat: In fast allen Fällen verschlechterte sich das Rating. Jüngstes Beispiel: Bei HeidelbergCement bröckelte das Rating um gleich zwei Stufen von Baa2 auf Ba1 ab. Moody´s begründete die Maßnahme mit starken Preiskämpfen in lokalen Märkten, mit dem anstehenden Bedarf fällige Schuldtitel zu refinanzieren und möglichen Geldbußen an Wettbewerbsbehörden. Der Ausblick ist negativ.

Meist kamen die Unternehmen in den vergangenen drei Monaten mit einem negativen Outlook oder einer negativen Creditwatch aus dem Bonitäts-TÜV. Diese ziehen in den meisten Fällen weitere Abstufungen nach sich. Heraufstufungen sind dagegen kaum zu erwarten. Lediglich der Armaturenhersteller Grohe kann zur Zeit als einzigstes aller 60 gerateten Unternehmen auf der bfinance-Ratingliste einen positiven Ausblick vorweisen.

Für Aufsehen sorgte besonders die Abstrafung von Thyssen-Krupp. Standard & Poor´s stufte den Stahlkonzern mit einem BB+ auf Schrottniveau ab und begründete dies mit ungedeckten Pensionsverbindlichkeiten. Moody´s ratet Thyssen-Krupp mit Baa1 gleich drei Stufen höher. Auch dies dürfte die Stahlkocher dazu animiert haben zusammen mit der Deutschen Post und Linde ein Gegengutachten zur Bewertung von Pensionsverbindlichkeiten auszuarbeiten.

Den Tiefpunkt der Ratingskala hat mittlerweile die Iesy Hessen GmbH erreicht. Standard & Poor´s stufte den Kabelnetzbetreiber auf D ab. Damit hält die Agentur Iesy für Zahlungsunfähig.

Dass der Ratingdurchschnitt aller deutscher Emittenten trotz der jüngsten Entwicklungen noch bei BBB liegt und auch bleiben könnte, liegt an den zwei Neuzugängen. Als Erstrating bekam die Schering AG von den Agenturen Moody´s und S&P ein A2 bzw. A verliehen. Einer bei etwaigen Kapitalmaßnahmen möglichen Abstufung baute der inzwischen in den Ruhestand getretene CFO Klaus Pohle gleich vor. "Wir haben die Rating-Agenturen gebeten, eine potenzielle Kreditaufnahme in Höhe von einer Milliarde € mit einzukalkulieren. Dadurch können wir flexibel den Finanzmarkt in Anspruch nehmen, ohne im Falle künftiger Akquisitionen die Nachhaltigkeit unseres Ratings zu gefährden." Außerdem können nun auch die Stadtwerke Düsseldorf ein Rating vorweisen. S&P bewertet die Bonität mit A-.

Mit der TUI steht ein weiteres prominenter Unternehmen in den Ratingstartlöchern. Der Reisekonzern möchte aber mit seiner Bonität erst an die Öffentlichkeit treten, wenn sich diese im Investmentgrade befindet.

Deutsche Langfristratings (Änderungen seit Mitte Januar in Blau)



Quelle: bfinance



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