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IASB will bestehende Regeln zu SPEs prüfen Drucken E-Mail
17.12.2003

Daniel Bartsch
Das International Accounting Standards Board (IASB) plant offenbar, die bestehenden Bilanzierungsregeln für die Konsolidierung von Tochtergesellschaften zu überprüfen. Davon betroffen sind auch Zweckgesellschaften, so genannte Special Purpose Entities (SPEs), die eigens zu Finanzierungszwecken gegründet wurden. Gleichzeitig soll geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen, die Unternehmen Vermögensgegenstände und Schulden aus ihrer Bilanz entfernen können ("De-Recognition").

Der internationale Standardsetter plant, die Konsolidierungsregeln zu Beginn des kommenden Jahres einer intensiven Prüfung zu unterziehen. Dafür wurde ein eigenes Projekt ins Leben gerufen. Im März kommenden Jahres wird das IASB das neue Projekt veröffentlichen. Ziel des Projektes ist es, einen neuen Konsolidierungsstandard zu entwerfen, der den IAS 27 sowie die Interpretation des Standing Interpretations Committee SIC 12 (zu SPE-Konstellationen) ersetzt. Vorgeschlagen wird, diesen neuen Standard auf jede Konsolidierungssituation, auch im Falle von SPE, anzuwenden.

Nach Vorstellung des IASB soll jede Gesellschaft, die von einem Konzern gesteuert ("control") wird, grundsätzlich konsolidiert werden. Das Board konkretisiert den "Control"-Gedanken als konzeptionelle Grundlage der Konsolidierungspflicht folgendermaßen. Demnach hat ein Unternehmen Control über ein anderes Unternehmen, wenn es (1) dessen strategische Ausrichtung sowie Geschäfts- und Finanzpolitik bestimmen ("Power"-Kriterium), (2) sich den daraus entstehenden Nutzen sichern ("Benefit"-Kriterium) und (3) die Bestimmungsmacht zur Erhaltung und Steigerung dieses Nutzens einsetzen kann. Diese Kriterien gelten unabhängig von einer etwaigen Beteiligungshöhe.

Melissa Allen, Bilanzexpertin in der Global Risk Solutions Group von BNP Paribas und Vorsitzende des International Swaps and Derivatives Association's European Accounting Committee in London begrüßt den Vorstoß des IASB. Ein offizielles Projekt, in dem sowohl Fragen zur Konsolidierung aber auch der De-Recognition behandelt werden, komme letztlich der Planungssicherheit in den Unternehmen zu Gute. Momentan gäbe es noch eine Reihe von Inkonsistenzen insbesondere zwischen IAS 39 und SIC 12, die für Verwirrung sorgten, so Allen. Im Endeffekt könnten die neuen Regeln die entsprechenden Stellen von IAS 39 und SIC 12 im kommenden Jahr ersetzen.

In Europa gibt man sich angesichts der IASB-Pläne eher abwartend. Vor allem die Private Equity Branche hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach besorgt über die aktuellen Pläne des IASB geäußert. So hegt der europäische Dachverband, die European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) Bedenken hinsichtlich der Definition von "Control", wie sie durch die vorgelegte Version von IAS 27 erfolgt. Diese würde dazu führen, dass ab Januar 2005 börsennotierte und möglicherweise auch nicht-notierte Private Equity-Fonds konsolidierte Jahresabschlüsse vorlegen müssen. Der europäische Branchenverband weist insbesondere darauf hin, dass die Private Equity-Industrie bereits über eigene strenge Reporting-Standards verfügt, welche über 80 Prozent der rund 980 EVCA-Mitglieder anwenden. Diese Standards würden bereits ein höheres Maß an Transparenz schaffen, als durch die Anwendung des IAS 27 ab 2005 erreicht werden könne, so der Verband.


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