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"Schmankerl": Bunte Hosenträger unter roten ver.di-Fahnen? – Investmentbanker kämpfen gegen Arbeitsplatzabbau Drucken E-Mail
24.02.2003

Patrick Eisele
Die Zeiten ändern sich. Als die Aktienkurse durch die Decke schossen, lebten Investmentbanker noch in Saus und Braus. Sagenhafte Boni versüßten harte 18-Stunden-Tage. Heute, in den Zeiten der Aktienphobie, kreisen die Gedanken der einstigen Superstars in vielen Fällen nicht mehr um den Jahresbonus sondern um Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Verschärfend kommt hinzu, dass die einst von ihren Arbeitgebern verhätschelten Banker, bei denen früher wöchentlich der Headhunter anrief, sich große Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen müssen. So fern sie noch einen haben. Die amerikanische Bank J.P. Morgan Chase plante beispielsweise in nur einem Monat 4000 Investmentbanker vor die Tür zu setzen.

Auch vor deutschen Banken macht bekanntlich der Jobabbau keinen Halt. Die Commerzbank will in der Frankfurter Zentrale bis zu 90 der über 400 Stellen abbauen. In dieser Tristesse erblüht plötzlich Gewerkschaftsgedankengut in den Büros, Gängen und Handelsräumen. Die Idee: Um Kündigungen zu vermeiden soll bei freiwilligem Gehaltsverzicht für die Spezialisten eine 4-Tage-Woche eingeführt werden.

Die Jungs, die früher einen geregelten 8-Stunden-Tag nur am Sonntag hatten, sollen also nur noch vier Tage die Woche arbeiten. Eine noch größere gedankliche Umstellung wäre aber wohl der Gehaltsverzicht. Schließlich sind Investmentbanker doch eher materiell orientiert. Noch ist es aber noch nicht so weit, dass unter roten ver.di-Fahnen bunte Hosenträger und gegelte Haare auszumachen sind, dass also Investmentbanker trommelnd durch die Straßen ziehen und für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstrieren. Würden sie als Analysten die Commerzbank covern, müssten sie eigentlich die Streichung der Stellen fordern.

Zur Einführung der 4-Tage-Woche ist es aber doch nicht gekommen. Statt der erforderlichen zwei Drittel der befragten Investmentbanker stimmten lediglich rund 37 Prozent zu. Anzunehmen ist, dass gerade die Kollegen dagegen gestimmt haben, die sich sicher waren den Shake-Out zu überstehen, also ihren Arbeitsplatz und vor allem ihr Einkommensniveau behalten zu können. Dann wären die Investmentbanker also doch die Alten geblieben.



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